Luga-Club

Mein Account

Wissen Luga 2023

Der mit den Kühen flüstert

Wie verhält man sich, wenn man beim Wandern einer Mutterkuhherde begegnet? Dies und mehr gibt es auf dem Erlebnisweg in Meierskappel zu erfahren. Zusammen mit Experte Andrea Accola begehe ich den Weg – und bekomme live vorgeführt, weshalb die Kommunikation mit den Kühen eine zentrale Rolle spielt.

Mutterkuh Schweiz
5242 Lupfig, Schweiz

Text: Roger Amberg / Bilder: Christoph Arnet
Erschienen in der Luga-Zytig, 27. April 2023

Meierskappel, Anfang März 2023: Es ist kalt, doch die Sonne scheint und lässt erahnen, dass der Frühling nicht mehr allzu weit entfernt ist. Der Erlebnisweg beginnt auf dem Dorfplatz. Auf dem 30-minütigen Rundweg erfahren Interessierte viel Wissenswertes über Mutterkuhherden. An verschiedenen Posten vermitteln die Comic-Figuren Lea und Ben spannende Fakten und bieten mit diversen Spielen und Aufgaben für Kinder ein interaktives Lernerlebnis.

Bei meiner Tour auf dem Erlebnisweg begleitet mich Andrea Accola – ein ausgewiesener Experte im Umgang mit Kühen. Bereits seit 43 Jahren ist er beim Plantahof in Landquart tätig, einer landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte des Kantons Graubünden und der Ostschweiz. Dort ist der 65-Jährige unter anderem verantwortlich für das Thema Mutterkuhhaltung. Sein Spezialgebiet: die Kommunikation.

Die Körpersprache ist entscheidend

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den Hof Gummen. Es dauert nicht lange, bis mir klar wird, weshalb man Andrea Accola auch den «Muniflüsterer» nennt. Die Kühe sind aufgrund der tiefen Temperaturen noch nicht auf der Wiese, wir finden sie aber im Aussenbereich des Stalls. Ohne die Kühe zu kennen, steigt Fachmann Andrea Accola kurzerhand ins Gehege und erklärt mir nur wenig später, welches die Anführerkuh ist, welche Kühe in der Herde sozial tiefer gestellt sind und wie man sich je nachdem den Tieren gegenüber spezifisch verhalten muss. Woran er dies erkennt? An der Körpersprache der Tiere. Am Anfang etwas misstrauisch, nähern sich ihm die Kühe bald und merken, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Dies hat vor allem mit seinem Verhalten und seiner Gestik zu tun, wie er mir erklärt: «Die nonverbale Kommunikation mit Kühen ist sehr wichtig, weil es sensible Tiere sind. Beispielsweise sollte man sich einer Kuh immer seitlich abgewandt nähern und nicht direkt von vorne auf sie zugehen, denn das nimmt die Kuh als Dominanz wahr.»

Die Wichtigkeit der Aufklärungsarbeit

Nachdem mir Andrea Accola eindrucksvoll seine Expertise im Umgang mit Kühen demonstriert hat, studieren wir die Informationstafeln, die dem ganzen Rundweg entlang verteilt sind. Es wird erklärt, was Mutterkuhhaltung überhaupt ist und warum Abfall eine Gefahr für Kühe ist. Das Ziel? «Aufklärungsarbeit zu diesem Thema ist wichtig.»


«Die nonverbale Kommunikation mit Kühen ist sehr wichtig, weil sie sensible Tiere sind.» 

Andrea Accola, Werkführer Feldbau am Plantahof


Natürlich möchte ich von Andrea Accola auch erfahren, weshalb es immer wieder zu Vorfällen zwischen Wanderern und Mutterkühen kommt. Seine Antwort: «Viele Leute wissen nicht, wie man mit Mutterkuhherden umgehen muss. Sie können nicht einschätzen, was eine Kuh mitteilen will.» Entsprechend wichtig sei es, mit einem solchen Erlebnisweg Wissen zu vermitteln.

Grossraubtiere sorgen für Unruhe

Bei einem der Schilder lernen wir von Lea und Ben, dass Kuhglocken nicht nur dem Auffinden der Tiere, sondern auch der Abschreckung von Raubtieren wie Wölfen und Bären dienen. Erstaunt frage ich bei Andrea nach, ob es in der Schweiz tatsächlich so viele Raubtiere gibt, was er bejaht: In der Tat sei eine Zunahme an Grossraubtieren festzustellen. «Und wenn eine Mutterkuhherde Kontakt mit solchen Tieren hat, verändert sich ihr Verhalten grundlegend», führt er aus. Die Kühe würden dann vorsichtiger und insbesondere auf Hunde noch sensibler, da sie diese als Verwandte des Wolfs sehen. «Bei rund zwei Dritteln der Vorfälle mit Mutterkuhherden ist ein Hund im Spiel», erklärt Andrea Accola. Deshalb empfiehlt er Hundebesitzern, ihre Hunde bei Begegnungen mit Mutterkuhherden immer an der kurzen Leine zu führen. Doch auch ohne Hund sollte man vorsichtig sein. Das gilt insbesondere dann, wenn junge Kälber in der Nähe sind. Der Tipp des Profis: «Auf keinen Fall darf man sich einem jungen Kalb nähern und dieses anfassen, denn die Mutterkuh ist immer in der Nähe und verteidigt ihr Kalb.»

Das Verhalten von Kühen verstehen

Accola weiss aber auch Rat, wenn es dennoch zu einer brenzligen Situation kommt: «Es gibt eindeutige Signale von einer Kuh, wenn man zu nahe ist – zum Beispiel wirft sie den Kopf auf, beginnt zu scharren oder schnaubt mit den Hörnern am Boden. Dann sollte man sofort in Ruhe Distanz schaffen und hektische Bewegungen vermeiden.» Sobald die nötige Distanz erreicht sei, sorge das für Entspannung und nehme den Druck von den Tieren weg.


«Es ist wichtig, die Kühe zu verstehen und ihr Verhalten einordnen zu können.» 

Andrea Accola, Werkführer Feldbau am Plantahof


Inzwischen haben wir auf unserem Spaziergang den Erlebnishof Gerbe und damit das Ende des Erlebniswegs erreicht. Hier gibt es neben diversen Informationstafeln nochmals die Möglichkeit, unterschiedliche Tiere zu sehen und das Erlernte direkt zu prüfen. Bei einem Wettbewerb können Fragen zum Thema Mutterkuhhaltung beantwortet werden. Für die Kinder gibt es zudem ein Büchlein mit der Geschichte von Lea und Ben zum Mitnehmen.

Auch Andrea Accola und ich beenden unsere gemeinsame Tour. Nach den vielen Informationen fühle ich mich nun gewappnet, wenn ich zukünftig auf eine Mutterkuhherde treffen sollte. Und was ist das Fazit von Andrea? «Es ist wichtig, die Kühe zu verstehen und ihr Verhalten einordnen zu können. Dann sind auch Begegnungen mit Mutterkuhherden kein Problem.» Und genau das versuchen Lea und Ben mit ihrer Geschichte zu vermitteln – noch bis zum 31. Oktober 2023 können sich Interessierte von den beiden in Meierskappel über das Thema Mutterkuhhaltung informieren lassen.


Verhaltensregeln bei der Begegnung mit Mutterkuhherden

Erfahren Sie die wichtigsten Tipps, wie Sie sich am besten verhalten, wenn Sie beim Wandern auf eine Mutterkuhherde treffen.

--> zu den Verhaltensregeln

--> Weitere Informationen zum Erlebnisweg mit Lea und Ben


An der Luga

Aussichtsturm

Auf der Weide können Sie den Mutterkühen von einer vier Meter hohen Aussichtsplattform aus zuschauen.

Erlebnistour

Die beiden Kinderfiguren Lea und Ben begleiten Sie auf sechs Posten zum Thema Mutterkuhhaltung und sorgen für ein interaktives Familienerlebnis.

zur Sonderschau «beef.ch»

Tiervorführungen

Erfahren Sie von Experten Wissenswertes rund um die zehn verschiedenen Rassen vor Ort.
Täglich 11.30 bis 12.00 Uhr
Halle 13

zu den Veranstaltungen an der Luga


Applaudieren – bis zu zehn Mal!

64

Beitrag teilen

Zugehörige Themengebiete (3)

Öffentlicher Applaus von Nutzerinnen und Nutzer